Zürcher Kantonsrat bewilligt 8 Millionen für Reformations-Jubiläum

Das Reformationsgeschehen soll nicht nur kirchlich-religiös, sondern auch im gesellschaftlich-kulturellen Rahmen gefeiert werden. Der Zürcher Kantonsrat hat für Jubiläumsprojekte acht Millionen Franken aus dem Lotteriefonds bewilligt. Die Reformation sei ein zentrales Ereignis in der Geschichte Zürichs, waren sich die Parlamentarier einig.

 

Die Lotteriegelder werden nicht nur für Projekte, sondern auch zur Finanzierung der Gesamtprojektleitung verwendet. Für die Feierlichkeiten in den Jahren 2017 bis 2019 wurde der Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» gegründet, in dem der Kanton Mitglied ist. Dieser soll die nichtkirchlichen Veranstaltungen tragen.

Das Parlament sprach sich mit 157 zu 5 Stimmen für den Beitrag aus. Sechs SVP-Kantonsräte enthielten sich der Stimme. Einzig die EDU kritisierte diese Art der Finanzierung, sprach sich dagegen aus und bezeichnete das Jubiläum als «unwürdig». Ihrer Ansicht nach hätte das biblische Bekenntnis ins Zentrum gerückt werden müssen.

 

Die Reformation sei nicht nur ein theologischer Disput gewesen, sagte jedoch der Sprecher der Grünen. Und die SP zeigte sich überzeugt, dass auch Zwingli mit der Finanzierung aus dem Lotteriefonds einverstanden gewesen wäre.

 

Quer durch die Fraktionen wurde zudem die grosse Bedeutung der Reformation hervorgehoben. Sie habe Zürich «geprägt wie kaum ein anderes Ereignis», hiess es etwa von Seiten der FDP. Das heutige Nebeneinander der verschiedenen Religionen wäre ohne die Reformation nicht möglich gewesen, zeigte sich die EVP überzeugt.

Geleitet wird das Jubiläumsjahr von Barbara Weber und Martin Heller. Weber war Co-Direktorin des Theaters Neumarkt, Heller Direktor des Museums für Gestaltung und künstlerischer Direktor der Expo.02. Der Verein rechnet mit einem Gesamtaufwand von 13,3 Millionen Franken.

Im Gesuch an den Lotteriefonds finden sich verschiedene Musiktheater, Ausstellungen, ein Animationsfilm, ein Mobile-Game, ein kulturelles Sozialprojekt, ein Symposium und ein Theater.

Der Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» wurde auf Initiative der Evangelisch-reformierten Landeskirche in Leben gerufen. Neben der Landeskirche sind auch der Kanton, die Stadt Zürich und Zürich Tourismus darin vertreten.

Die Erneuerungsbewegung der Reformation ist eines der wenigen Zürcher Ereignisse, die weltweite Bedeutung erlangten. Angestossen wurde sie 1517 von Martin Luther mit seinen Thesen gegen den Ablasshandel. Der Zürcher Pfarrer Huldrych Zwingli schloss sich der Bewegung an und wurde so zu einer prägenden Figur der Reformation.

500 JAHRE ZÜRCHER REFORMATION

Zwei grosse Namen für Zwingli-Jubiläum

Der Verein 500 Jahre Zürcher Reformation verpflichtet Regisseurin Barbara Weber und Kulturunternehmer Martin Heller als Kuratoren des Jubiläums.

 «Es freut uns sehr, dass wir diese beiden Schweizer Persönlichkeiten von internationalem Format gewinnen konnten, ein für viele Menschen wahrnehmbares Ereignis mit zu gestalten», wird der Geschäftsführer des Vereins, Martin Breitenfeldt in der Mitteilung zitiert.Barbara Weber war in der Vergangenheit für mehrere Theater tätig, darunter die Münchner Kammerspiele, Das Gorki Theater Berlin, das Theater Basel und das Zürcher Schauspielhaus. Von 2008 bis 2013 war sie Co-Direktorin des Theaters Neumarkt. Seither ist sie als freie Regisseurin tätig.

Wichtiger Ort der Reformation

Der selbständige Kulturunternehmer Martin Heller war in den 1990er Jahren Direktor des Museums für Gestaltung und des Museums Bellerive in Zürich. Dem breiten Publikum bekannt wurde er als künstlerischer Direktor der Expo.02.

Zürich gilt nach Wittenberg und Genf als einer der wichtigsten Orte reformatorischer Aufbrüche des 16. Jahrhunderts. Grössere Anlässe sind ab 2017 geplant. Kerndatum ist der 1. Januar 1519, als Huldrych Zwingli zum ersten Mal von der Kanzel des Zürcher Grossmünsters predigte. (mst/sda)

 

 

Barbara Weber
Hohenbühlstrasse 1
8032 Zürich