In gut 2 Jahren ist es so weit. 2019 jährt sich der Beginn der Zürcher Reformation zum 500. Mal. Das soll gefeiert werden, und dafür sind schon seit längerer Zeit verschiedene Vorbereitungen im Gang. Vielleicht zu viele? Der Lotteriefonds des Kantons Zürich jedenfalls hat im Herbst ein Unterstützungsgesuch des Vereins «500 Jahre Zürcher Reformation» zurückgewiesen mit der Aufforderung, die Projekte zu überarbeiten und den erbetenen Beitrag zu senken. Bis im Frühling soll nun ein verschlankter Antrag vorgelegt werden. Dafür hat sich der Verein externe Hilfe geholt, und zwar bei Fachleuten, die es wissen müssten. Die Regisseurin Barbara Weber und der Kulturunternehmer und Autor Martin Heller sollen das Projekt «500 Jahre Zürcher Reformation» kuratorisch begleiten.

Martin Heller ist, was kulturelle Grossprojekte betrifft, alles andere als ein unbeschriebenes Blatt: Er war Direktor des Zürcher Museums für Gestaltung und rückte ins Rampenlicht, als er die Expo 02 wieder in geordnete Bahnen führte, nachdem sie nahe am Abgrund entlang getaumelt war. 2009 zeichnete er verantwortlich für die Inszenierung von Linz als Kulturhauptstadt Europas. Zurzeit ist er verantwortlich für das Programm des Berliner Humboldt-Forum.

 

Barbara Weber arbeitete an verschiedenen grossen deutschen Bühnen und Theaterfestivals als Regisseurin und Intendantin, war von 2008 bis 2013 Co-Direktorin des Theaters Neumarkt Zürich und ist seither als freie Regisseurin und Kuratorin tätig.

Barbara Weber und Martin Heller sollen die bisherige Planung des Jubiläums zu einer Gesamtkomposition entwickeln, wie der Verein am Freitag mitgeteilt hat. Es gehe darum, Prioritäten zu setzen, das Programm zu optimieren, weitere Ideen einzubringen und einen «stimmigen Programmverlauf» festzulegen. Zudem muss eine Kommunikationsstrategie entworfen – und es muss Geld eingeworben werden, nicht nur beim Lotteriefonds. Man sei froh, zwei Persönlichkeiten von internationalem Format gefunden zu haben, um ein «für viele Menschen wahrnehmbares Ereignis» zu gestalten.

Zwei Kulturprofis sollen dem Unternehmen also Schub verleihen. Das ist insofern nicht ganz einfach, als die Zwinglische Reformation nicht zu den Themen gehört, die beim grossen Publikum spontan auf Interesse stossen. Darüber hinaus könnte es ein Handicap sein, dass 2017 in Deutschland das Luther-Jahr ansteht. Zürich muss das Thema Reformation im Nachgang dazu ein zweites Mal auf die Tagesordnung setzen.

Frische Ideen sind da gesucht. Martin Heller betont allerdings, Barbara Weber und er seien nicht Intendanten des Jubiläums. Vereinbart sei eine «kuratorische Begleitung». Ob sich das Mandat auch auf die Umsetzung des Programms erstrecke, sei offen. Für Heller geht es darum, im historischen Jubiläum ein neues Verhältnis zu Altbekanntem zu finden: «Genau das macht Jubiläen interessant.» Dass das lange Zeit als biedere «Zwingli-Stadt» etikettierte Zürich gezwungen wird, sich genau auf diese Tradition zu besinnen, ist für Heller kein Nachteil: «Man muss Stereotype nicht negieren, sondern aktiv bearbeiten.» Die Reformation biete viele Ansätze, die Menschen interessierten. Entscheidend sei, das Ganze unter die Leute zu bringen – ohne falsche Scheu vor Volksnähe, aber ohne die Sache zu verraten. «Ambitionierte Popularität» lautet die Formel, auf die Martin Heller sich verpflichtet.

NZZ, Ribi

Zürcher Kantonsrat bewilligt 8 Millionen für Reformations-Jubiläum

Das Reformationsgeschehen soll nicht nur kirchlich-religiös, sondern auch im gesellschaftlich-kulturellen Rahmen gefeiert werden. Der Zürcher Kantonsrat hat für Jubiläumsprojekte acht Millionen Franken aus dem Lotteriefonds bewilligt. Die Reformation sei ein zentrales Ereignis in der Geschichte Zürichs, waren sich die Parlamentarier einig.

 

500 JAHRE ZÜRCHER REFORMATION

Zwei grosse Namen für Zwingli-Jubiläum

Der Verein 500 Jahre Zürcher Reformation verpflichtet Regisseurin Barbara Weber und Kulturunternehmer Martin Heller als Kuratoren des Jubiläums.

 «Es freut uns sehr, dass wir diese beiden Schweizer Persönlichkeiten von internationalem Format gewinnen konnten, ein für viele Menschen wahrnehmbares Ereignis mit zu gestalten», wird der Geschäftsführer des Vereins, Martin Breitenfeldt in der Mitteilung zitiert.Barbara Weber war in der Vergangenheit für mehrere Theater tätig, darunter die Münchner Kammerspiele, Das Gorki Theater Berlin, das Theater Basel und das Zürcher Schauspielhaus. Von 2008 bis 2013 war sie Co-Direktorin des Theaters Neumarkt. Seither ist sie als freie Regisseurin tätig.

Wichtiger Ort der Reformation

Der selbständige Kulturunternehmer Martin Heller war in den 1990er Jahren Direktor des Museums für Gestaltung und des Museums Bellerive in Zürich. Dem breiten Publikum bekannt wurde er als künstlerischer Direktor der Expo.02.

Zürich gilt nach Wittenberg und Genf als einer der wichtigsten Orte reformatorischer Aufbrüche des 16. Jahrhunderts. Grössere Anlässe sind ab 2017 geplant. Kerndatum ist der 1. Januar 1519, als Huldrych Zwingli zum ersten Mal von der Kanzel des Zürcher Grossmünsters predigte. (mst/sda)

 

 

Barbara Weber
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8032 Zürich