Produktionen

DIE LEARS nach der Tragödie von William Shakespeare   

Mit: Alicia Aumüller, Michael Haves, Rahel Hubacher, Anne Ratte-Polle, Sebastian Rudolph

Regie: Barbara Weber
Bühne/Kostüme: Janina Audick
Musik: Michael Haves
Dramaturgie: Max-Philip Aschenbrenner, Matthias Lilienthal
Produktionsleitung: Sven Heier
Regieassistenz: Daniel Foerster
Koproduktion: Wiener Festwochen; Hebbel am Ufer, Berlin; brut Wien
Mit Unterstützung von Hauptstadtkulturfonds, Berlin; Familien-Vontobel-Stiftung, Zürich

«Alle schlechten Eigenschaften entwickeln sich in der Familie. Das fängt mit Mord an und geht über Betrug und Trunksucht bis zum Rauchen.» Alfred Hitchcock


Die Familie feiert, die Kinder haben sich fein angezogen und etwas vorbereitet. Shakespeares apokalyptische Erbfolge- und Familien-Tragödie liefert ihnen die Grundlage für das Familienfest der Lears.
Naturgemäss wird die Familie von Gewalt zusammengehalten, das erfahren bereits die Kinder der ersten Theatertragödie, Orest und Elektra, am eigenen Leib. Der Terror zwischen Eltern und Kindern kann nur durch den Terror nach der Familie überboten werden: Dann, wenn Geschwisterhorden an ihre Stelle getreten sind und sich zerfleischen.
Die königlichen Clans werden seziert, übrig bleiben Firma und Kleinfamilie. Im Kommunismus wie im Kapitalismus, in guten wie in schlechten Zeiten leben sie, als standardisierte Formen tot gesagt, verstümmelt weiter und sind - selbst wenn alle Verwandten gestorben sind und der Laden insolvent ist – doch nicht tot zu kriegen.
Wir springen zwischen blutigen King-Lear-Szenarien und familientherapeutischen Massnahmen hin und her und zitieren andere Grossfamilien herbei. DIE LEARS nach Shakespeare zeigt einen heutigen Familienkrieg mit vier Personen. Selbstbestimmte, aber vereinsamende Marktteilnehmer beharren auf einem nicht marktmässig organisierten System menschlicher Bindungen und Verpflichtungen. Im Theater kann man nicht sterben, so wie man im Traum nicht sterben kann, aber auch im Theater wird immer um Macht und Gefühle gefeilscht, und das kann verdammt gefährlich werden.

REGIE: BARBARA WEBER
AUSSTATTUNG: JANINA AUDICK
MUSIK: MICHAEL HAVES
DRAMATURGIE: MATTHIAS LILIENTHAL, MAX ASCHENBRENNER
ASSISTENZ: DANIEL FOERSTER UND DANIEL LERCH
In LEAR sollen zusammen mit vier Schauspielern ausgehend von Shakespeares Königstragödie die Themen Identität, Familie und der Konflikt der Generationen untersucht werden. Große Stoffe werden auf der Bühne fraktalisiert. Wir möchten unsere in den unplugged Reihen erworbenen Fähigkeiten nun am nicht tot zu kriegenden Vater-Mythos ausprobieren.:
Eine Handvoll Schauspieler, ein Musiker, diverser Krims-Krams oder Tesafilm, aber garantiert keine Effekte! Aufwendige Staffagen werden durch Spielfreude, Schnelligkeit und Lässigkeit subtrahiert, eine neue Ernsthaftigkeit entsteht.

Die Darsteller, werden sich in den Rollen der Hauptcharaktere abwechseln. Sie tauschen nicht nur ihre Namen, sondern auch ihre Identitäten, verirren sich in die Albträume der anderen, erscheinen, verändern sich und fragen sich immer wieder, wer denn nun King Lear spielt. Für uns sind King Lear und seine Monster nicht nur eine Familie, sondern auch die Gesellschaft. Eine Trennung zwischen privat und öffentlich, außen und innen ist nicht möglich, der subjektive Wahnsinn wird zum Staatsakt.

Unser Interesse gilt dem Mensch als Trennung, nicht in der Vereinigung von Körper und Seele, in der Vereinigung von Schauspieler und Figur, in der Vereinigung von Leben und Biografie, sondern als immanente Entkopplung. Wir fragen nach dem unehelichen Sohn, der verstoßenen Tochter, dem verletzten Sohn Edgar, suchen sie als Monster, Tiere, Engel, Kreaturen.

Shakespeares Text ist von einer tiefen Furche durchzogen, sie trennt zwei Generationen einer Dynastie und zieht sich durch Dallas oder Falcon Crest ebenso weiter, wie durch uns selbst. Was haben wir gelernt von den ´68ern, den RAF-Terroristen und der Anti-Atomkraft-Bewegung? Welche Tugenden und Werte müssen wir selbst entwicklen, sei es für oder gegen die Väter? Hätte eine Familientherapie King Lear helfen können?

Hinter den Shakespearschen Sprachkaskaden schlummert eine emotionale Tiefenschicht, die uns ungeheuerliches vermuten lässt. Am Ende steht der Wunsch nach einer neuen Sprache einer Sprache der Affekte und Empfindungen. Der Versuch führt bei Shakespeare zum Tod nahezu aller Beteiligter, Sprache wird verdreht, mißverstanden und umgedeutet. Sie ist manipulierbar und macht nur dann Sinn, wenn sie Unsinn verzapft. Aus den Brüche und Leerstellen steigen immer wieder Figuren hervor: Verletzte, Gekränkte, Verliebte, Verzweifelte, Hoffende, Trauernde, eine Lösung finden sie nicht.

Premiere: 29.05.2008
Theater Neumarkt
Wiener Festwochen
HAU Berlin
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