Produktionen

DIE LEARS nach der Tragödie von William Shakespeare  /// Wiener Festwochen, HAU 2, Neumarkt Theater ///
MISS SARA SAMPSON von LESSING  /// GORKI BERLIN PREMIERE 10. NOVEMBER ///
TANGER UNPLUGGED  /// Münchner Kammerspiele PREMIERE AM 28. SEPTEMBER 20H ///
KEBAB von Gianina Carbunariu  /// Münchner Kammerspiele ///
fassbinder unplugged  /// Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt 21.12.06 ///
Das Leben ist Traum von Calderon de la Barca  /// Premiere am 24. November 2006 um 19h am Schauspiel Essen ///
VIKTOR! Happiness is a warm gun nach Roger Vitrac   

nächste Spieldaten: Theater Freiburg am 19. u. 26. Dezember um 19 h in Kleinen Haus

Das gnadenlose Lied von der Glocke
VON NORBERT MAYER (Die Presse) 01.08.2006

Barbara Weber zeigt bei den Salzburger Festspielen mit "Viktor", dass Anarchie machbar ist.

Mit der Inszenierung bezaubern der Unsinn-Poesie hat Barbara Weber am Sonntag den bisher besten Beitrag zum Salzburger "Young Directors Project" 2006 geliefert. Ihr "Viktor! Happiness is a warm gun" führt zurück in die kulturell wildesten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts. Bürgerschreck Roger Vitrac hat das Stück "Victor oder die Kinder an die Macht", das dieser Salzburger Fassung zugrunde liegt, 1928 geschrieben. Das Theater "Alfred Jarry" wurde unmittelbar nach der Premiere von den Behörden geschlossen. "Happiness is a warm gun" wiederum ist ein Zitat aus dem "White Album" der Beatles von 1968, aus ihrer psychedelischen Phase kurz vor dem Auseinanderdriften des Quartetts. Weber lässt in ihrer Fassung (Mitarbeit: Arved Schultze, Niklaus Helbling) folgerichtig auf dem Scheitelpunkt des Stückes den aufwühlenden Hardrock von "Helter Skelter" aus dem Beatles-Album spielen (Musik: Michael Haves, Michael Wilhelmi). Der Song war angeblich für Sektenführer Charles Manson die Aufforderung zum Mord an Sharon Tate.
Noch ein Mordsstück also bei den Salzburger Festspielen, dessen Theater sich in diesem Jahr angeblich der Komödie widmet? Noch ein Mordsspaß, und der ist in dieser Koproduktion mit dem Theater Freiburg und dem HAU Berlin nicht der schlechteste. Webers junge Truppe reizt mit dem Kindergeburtstag zu Ehren des frühreifen, neunjährigen Viktor (Aljoscha Stadelmann) mehrfach zum befreienden Lachen. Dieses Monsterkind, das seine Eltern (Philippe Graber, Bettina Grahs) und den Nachbarn (Steven Scharf) in den Selbstmord treibt, will nicht mehr brav sein. Sein Kinderzimmer (Bühne: Alexander Wolf) zeugt davon. Neben dem Plastik-Kanu und der Madonnen-Statue gibt es Totenschädel, wilde Zeichen, kaum Tabus. Dem Kind stehen auch ein Rummelplatz-Auto und sogar ein Sturmgewehr zur Verfügung. Zu seinem Jubeltag tragen die Erwachsenen Masken: Mickymaus, Untiere, Aliens. Die Ausstattung des Stückes ist geradezu von wilden Symbolen überfrachtet.
Das passt. Viktor und seine sechsjährige Spielgefährtin Esther (Mira Parthecke) entwickeln eine Zerstörungswut, die vom Zerbrechen eines Kristallglases bis zu von der Tante (Melanie Lüninghöner) geförderten Spreng-Übungen im Garten führt. Die Gipfel des Terrors: Esther trägt das gutbürgerliche "Lied von der Glocke" vor und beginnt immer wieder von Neuem, wenn sie ins Stocken gerät. Esther und Viktor spielen auf dem Teppich nach, was sie heimlich beobachtet haben - wie sein Vater Ehebruch mit der Nachbarin (Rebecca Klingenberg) treibt. Er hat auch was mit dem Au-Pair-Mädchen (Katja Jung). Solche Enthüllungen bringen die liebste aller Familien in Rage.
Wem es zu viel wird, der klettert auf eine der zwanglos im Wohnzimmer verteilten Panzersperren, kommt seiner Erziehungspflicht nach und prügelt ein Kind oder bringt sich um. Entrinnen kann man nicht, denn wer den Abgang sucht, dem signalisiert ein Mitspieler: Alles nicht echt, alles nur Spektakel. Noch einmal von vorne also das Lied von der Glocke, der Ehebruch oder der Versuch des Nachbarn, den übrigen Gästen das Hinterteil zu tätowieren. (Dieses Gesellschaftsspiel hat sich offenbar erst weit nach dem Surrealismus durchgesetzt.)
Stadelmann und Partecke spielen die bösen Kinder-Rollen mit Herz, die Erwachsenen halten beim Blödeln wacker mit, am überzeugendsten Klingenberg und Scharf. Die Turbulenzen, von denen nur die kühlen Musiker ausgenommen sind, werden durchaus apart gespielt. Da sind beachtliche Talente am Werk. Etwas Straffung hätte dieser surrealen Schau jugendlicher Sehnsucht nach Freiheit nicht geschadet. Viktors Fieberwahn der systematischen Zerstörung hätte durchaus rasanter verlaufen können.

Regie: Barbara Weber
nach Roger Vitrac in einer Bearbeitung von Niklaus Helbling und Barbara Weber
Viktor: Aljoscha Stadelmann
Esther: Mira Partecke
Charles: Philippe Graber
Emilie: Bettina Grahs
Therese: Rebecca Klingenberg
Antoine: Steven Scharf
Lili/Ida Todmar: Katja Jung
Tante Maria: Melanie Lüninghöner
Bühne und Kostüme: Alexander Wolf
Musik: Michael Haves, Michael Wilhelmi
Dramaturgie: Arved Schultze, Niklaus Helbling
Premiere: 30.07.2006
Koproduktion mit dem Theater Freiburg und Hebbel Am Ufer Berlin
Theater Freiburg
Hebbel Am Ufer, Berlin
Salzburger Festspiele
VIKTOR! Happiness is a warm gun nach Roger Vitrac  /// Salzburger Festspiele 30. Juli 2006//Theater Freiburg ///
Radikalisierungsgeisterbahn  /// Münchner Kammerspiele bunnyhill 12./13. Mai 2006 ///
JACKO-unplugged  /// Theaterhaus Gessnerallee, "auawirleben" Bern, Hebbel Am Ufer, Berlin ///
paultschi-unplugged  /// Volkstheater Wien ///
Les Syrènes nach Homer  /// Rote Fabrik, Zürich ///
X-Wohnungen  /// Hebbel Am Ufer, Berlin ///
RAF-unplugged  /// Hebbel Am Ufer, Berlin, IMPULSE 05, Theaterhaus Gessnerallee, Zürich ///
Sauerstoff von Iwan Wyrypajew  /// Münchner Kammerspiele ///
Endstation Sehnsucht von Tenessee Williams  /// Schauspielhaus Graz ///
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Heidi nach Johanna Spyri  /// mit Fabienne Hadorn, Gustavo Nanez, Michael Finger ///
ponyhof nach dem Film "Rote Sonne"  /// 2004 Theaterhaus Gessnerallee, Zürich ///
stars unplugged no. 1 "britneyland"  /// Theaterhaus Gessnerallee, Zürich ///
hollywood unplugged-Die lange Nacht  /// Theaterhaus Gessnerallee, Hebbel Am Ufer, Berlin, Mousonturm, Frankfurt ///
hollywood unplugged no. 3 "star wars"  /// Deutsches Schauspielhaus, Hamburg; Theaterhaus Gessnerallee, Zürich ///
Die Arabische Nacht von Roland Schimmelpfennig  /// Theater an der Winkelwiese, Schweizer Erstaufführung ///
hollywood unplugged no. 4 "titanic"  /// Koproduktion Deutsches Schauspielhaus Hamburg und Theaterhaus Gessnerallee Zürich ///
hollywood unplugged no. 1 "bonnie&clyde"  /// Theaterhaus Gessnerallee, Zürich ///
Trommeln in der Nacht von Bertolt Brecht  /// Theater am Neumarkt/ Kampnagel Hamburg 2001 ///
hollywood unplugged no. 2 "rocky"  /// Theaterhaus Gessnerallee, Zürich ///

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